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  • Wie funktioniert die E61-Brühgruppe? Thermosyphon, Vorbrühen & 3-Wege-Ventil einfach erklärt

    20. Jun 2026

    Die E61-Brühgruppe ist das mechanische Herzstück vieler Siebträger-Espressomaschinen. 1961 von Faema eingeführt, hält sie das Brühwasser per Thermosyphon ohne eigenes Heizelement auf Temperatur, steuert über einen Hebel drei Ventile und brüht den Kaffee mechanisch vor, bevor der volle Druck von üblicherweise rund 9 bar einsetzt.

    Zieh am Hebel, stell die Vorbrühfeder und den Pumpendruck ein – und schau zu, wie das Wasser seinen Weg nimmt. Die Animation läuft von allein, du kannst jederzeit eingreifen:

    So liest du dieses Werkzeug

    Die Regler: Pumpendruck in bar (6–12) und der Druck in bar, bei dem die Vorbrühfeder nachgibt (2–6). Die Ergebnisse: Druck, Zeiten und Tasse sind Modellwerte, keine Messung an deiner Maschine. Die Grundlage: Patent und Funktionsbeschreibungen der E61 (Quellen in der Figur); «4 bar» ist eine Community-Angabe, «9 bar» eine Konvention. Ohne Gewähr – Details direkt unter der Figur.

    Die interaktive E61-Animation lädt … Falls nichts erscheint, bitte die Seite neu laden – oder lies einfach weiter, der Text erklärt alles Schritt für Schritt.

    So liest du die Animation: Rote Punkte sind heisses Wasser, blaue Punkte abgekühltes Wasser – die Pfeile zeigen die Richtung. Links der Kessel, rechts der Chromkopf mit dem Hebel. Hebel in der Mitte: nur der Thermosyphon läuft. Hebel oben: Wasser füllt die Vorbrühkammer, benetzt den Kaffee sanft, dann gibt die Feder nach und der volle Druck kommt. Hebel unten: der Restdruck zischt ins Tropfblech. Die Zahlen am Manometer sind Modellwerte, keine Messung.

    Ohne Gewähr

    Die Animation ist ein vereinfachtes Modell und zeigt dir Zusammenhänge – keine Messwerte und keine Zusicherung. Welche Temperatur, welcher Druck und welche Vorbrühung bei dir in der Tasse landen, hängt von deiner Maschine, deinem Wasser, deiner Bohne und deiner Arbeitsweise ab.

    Unsere Pflege- und Einstellhinweise sind Erfahrungswerte aus Beratung, Kurs und Showroom. Sie sind unverbindlich und ohne Gewähr. Für Schäden, die aus der Anwendung entstehen, übernehmen wir keine Haftung. Im Zweifel gilt, was dein Hersteller in der Bedienungsanleitung schreibt.

    Was ist die E61-Brühgruppe?

    Die E61 ist eine Brühgruppe, die der Faema-Gründer Carlo Ernesto Valente entwickelte und patentierte (Prioritätsanmeldung in Italien 1960, US-Patent erteilt 1966). Ihr Name geht auf die totale Sonnenfinsternis vom 15. Februar 1961 zurück – das Jahr ihrer Markteinführung. Die Faema E61 gilt als erste Espressomaschine mit elektrischer Pumpe, Thermosyphon zur Temperaturführung der Brühgruppe und automatischem Vorbrühen. Diese drei Neuerungen sind bis heute prägend. Das Design wurde so einflussreich, dass die E61-Gruppe heute in zahllosen Maschinen renommierter Hersteller verbaut wird – etwa von Rocket Espresso, ECM, Bezzera, Profitec, Lelit oder Torre.

    Der Thermosyphon: Temperatur ohne eigenes Heizelement

    Die Gruppe selbst hat keine eigene Heizung. Zwei Leitungen verbinden sie mit dem Kessel bzw. Wärmetauscher: Heisses Wasser ist leichter als kühleres und steigt durch die obere Leitung in die Gruppe, gibt dort Wärme an das Messing ab und fliesst durch die untere Leitung zurück. Diese natürliche Zirkulation – der Thermosyphon – läuft, solange die Maschine heizt, und hält die schwere, verchromte Messinggruppe nahe der Brühtemperatur. Das sorgt für Temperaturstabilität von Tasse zu Tasse, kostet nach dem Einschalten aber Aufheizzeit, weil die grosse Metallmasse erst durchwärmen muss. Übliche Brühtemperaturen für Espresso liegen je nach Maschine und Bohne bei rund 90–96 °C – ein Richtwert zum Einstieg, keine Vorgabe. RichtwertWelche Temperatur dir schmeckt, entscheidet deine Tasse.

    Hebel, Nocke und die drei Ventile

    Am Hebel sitzt eine Nocke – eine ovale Metallscheibe, die beim Drehen nacheinander auf die Ventile drückt. Der Hebel kennt drei Stellungen:

    • Unten: Gruppe aus – das Brühventil ist zu, das Ablassventil ist offen. Restdruck entweicht ins Tropfblech, der Siebträger lässt sich gefahrlos abnehmen.
    • Mitte: Das Ablassventil schliesst, das Brühventil öffnet erst einen Spalt – die Pumpe läuft noch nicht. Wasser erreicht den Kaffee nur mit dem Druck aus Kessel bzw. Wasserleitung. Diese Zwischenstellung nutzen manche für ein manuelles, besonders sanftes Vorbrühen.
    • Oben: Brühen – die Nocke öffnet das Brühventil ganz und schaltet über einen Mikroschalter die Pumpe ein.
    Korrektur (16.10.2026): Die frühere Fassung dieses Artikels beschrieb die Mittelstellung als «beide Seiten dicht geschlossen». Das stimmt so nicht: In der Mitte ist der Ablass zu und das Brühventil leicht offen, nur die Pumpe ist aus – deshalb funktioniert dort das manuelle Vorbrühen überhaupt. Quelle: Kaffeemacher, «Faema E61 Brühgruppe» (abgerufen 16.10.2026).

    Drei Ventile arbeiten dabei zusammen: das Brühventil (oben), das federbelastete Infusionsventil (Mitte, wir nennen es hier Vorbrühfeder) und das 3-Wege- bzw. Ablassventil (unten). Das Besondere: Das Infusionsventil wird nicht vom Hebel, sondern vom Druck selbst gesteuert – es öffnet erst, wenn ein bestimmter Druck erreicht ist.

    So läuft ein Bezug ab – Schritt für Schritt

    1. Du hebst den Hebel an: Das Brühventil öffnet, die Pumpe füllt die Vorbrühkammer über dem Infusionsventil.
    2. Vorbrühen: Der Kaffeepuck wird bei niedrigem Druck sanft und gleichmässig benetzt – das reduziert Kanalbildung (Channeling).
    3. Erreicht der Druck rund 4 bar, öffnet das federbelastete Infusionsventil. CommunityDer Wert stammt aus der Home-Barista-Community und hängt von Feder und Maschine ab – wir haben ihn nicht nachgemessen.
    4. Der Druck steigt auf den vollen Brühdruck, begrenzt vom Expansionsventil (OPV). Konvention«Rund 9 bar» ist die übliche Vorgabe der Hersteller und des Istituto Nazionale Espresso Italiano (9 ± 1 bar) – eine Konvention, keine Messung an deiner Maschine. Der Espresso fliesst, die Crema bildet sich.
    5. Du senkst den Hebel: Das Brühventil schliesst, das 3-Wege-Ventil entlastet den Restdruck aus dem Puck in die Tropfschale – das typische kurze Zischen am Ende.

    Warum Baristas die E61 schätzen

    Die E61 verbindet drei Stärken: Temperaturstabilität durch den Thermosyphon, sanftes, automatisches Vorbrühen für eine gleichmässigere Extraktion und eine robuste, wartbare Mechanik, die seit Jahrzehnten bewährt ist. Dazu kommt das haptische Hebelgefühl, das viele am Espresso-Ritual lieben. Ehrlich gesagt hat das System auch zwei Kehrseiten: Die grosse Metallmasse braucht eine gewisse Aufheizzeit (oft 20–30 Minuten für volle Stabilität – Erfahrungswert, keine Messung), und die Gruppe will regelmässig gepflegt werden – den Nocken gelegentlich fetten, die Brühgruppendichtung bei Bedarf tauschen und nach Espressobezügen rückspülen. Unser Geschmackseindruck aus Rösterei und Showroom: viel Körper, volles Mundgefühl. Eine gesättigte Brühgruppe bringt für uns zusätzlich Aroma und Eleganz – unsere Sicht, eine von vielen. Schmeckt es dir, hast du recht.

    Passende Maschinen & weiterführende Artikel

    Du überlegst, welche Maschine zu dir passt? Viele Prosumer-Maschinen mit E61-Gruppe sind Zweikreiser oder Dual-Boiler. Am schnellsten findest du deine mit Jackson, unserem KI-Berater, oder im Maschinenberater. Vertiefe das Thema hier:

    Häufige Fragen zur E61-Brühgruppe

    Was bedeutet „E61“?

    Das „E“ steht für die Sonnenfinsternis (Eclipse), die „61“ für das Jahr 1961 – die totale Sonnenfinsternis vom 15. Februar 1961, in deren Jahr Faema die Maschine vorstellte.

    Hat jede E61 eine Vorbrühfunktion?

    Das mechanische Vorbrühen ist konstruktiv in der klassischen E61-Gruppe angelegt: Wasser füllt zuerst die Vorbrühkammer und benetzt den Puck, bevor das federbelastete Infusionsventil bei rund 4 bar öffnet (Community-Angabe, je nach Maschine abweichend). Wie ausgeprägt die Vorinfusion ausfällt, hängt von der jeweiligen Maschine und vom Wasserdruck ab.

    Wie heiss brüht eine E61?

    Die Gruppe selbst heizt nicht, sondern wird über den Thermosyphon nahe der Kessel- bzw. Wärmetauscher-Temperatur gehalten. Übliche Brühtemperaturen liegen je nach Maschine und Rezept bei rund 90–96 °C (Richtwert). Bei Zweikreisern (Wärmetauscher) gleicht ein kurzer Leerbezug („Cooling-Flush“) die Temperatur vor dem Bezug aus.

    Wie pflege ich eine E61-Gruppe?

    Regelmässig rückspülen, die Brühgruppendichtung bei nachlassender Dichtheit tauschen und den Hebel-Nocken gelegentlich mit lebensmittelechtem Fett schmieren, damit er leichtgängig bleibt. Massgeblich ist die Anleitung deines Herstellers.

    Welche Maschinen haben eine E61-Gruppe?

    Sehr viele Prosumer-Maschinen, unter anderem von Rocket Espresso, ECM, Bezzera, Profitec, Lelit, Torre und weiteren Herstellern. Die E61 hat sich über die Jahrzehnte zu einem De-facto-Standard entwickelt. Stöbere bei unseren Zweikreiser- und Dual-Boiler-Maschinen.

    Quellen

    Primärquelle (Erfinder/Hersteller): das Original-Patent der E61-Brühgruppe – US-Patent 3’230’974 „Alternately seating valves“ (Erfinder Ernesto Valente, Faema; italienische Priorität 24.9.1960, US-Anmeldung 25.9.1961, erteilt 25.1.1966; abgerufen 16.10.2026). Funktionsweise und Hebelstellungen: Kaffeemacher, «Faema E61 Brühgruppe» (abgerufen 16.10.2026). Öffnungsdruck der Vorbrühfeder (rund 4 bar, Community-Angabe): Home-Barista, «Internals of an E61 Brew Head» (abgerufen 16.10.2026). Cooling-Flush bei Zweikreisern: Home-Barista, «HX Love: Managing HX Brew Temperature» (abgerufen 16.10.2026).

    Yalcin Akpinar

    Yalcin Akpinar

    Mitgründer, Equipment und Sensorik

    Diplom-Lebensmittelchemiker der Universität Hamburg, über 15 Jahre in der internationalen Aromenindustrie, Patente in Aromentechnologie. Bei uns verantwortet er Röstprofile, Bohnenauswahl und die Auswahl der Maschinen und Mühlen.

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